COA Woche - Millionen Kinder in Deutschland wachsen mit suchtkranken Eltern auf

Unter dem Motto #wirsindsichtbar macht die diesjährige COA-Aktionswoche vom 22.Februar bis 28.Februar (Children of Alcoholics / Children of Addicts) auf eine oft übersehene Realität aufmerksam.

 


Copyright DKSB Susanne Tessa Mueller

Bremen, 16. Februar 2026 - In Deutschland leben laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. rund 2,65 Millionen Kinder mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil. Etwa 60.000 Kinder haben einen Elternteil, der von illegalen Drogen abhängig ist. Insgesamt sind rund drei Millionen Kinder und Jugendliche betroffen – das entspricht jedem sechsten Kind in Deutschland (DHS 2022).

„Kinder, die mit suchterkrankten Personen aufwachsen, tragen oft eine besondere Last“, sagt Iris von Engeln, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Bremen. Sie übernehmen nicht selten Verantwortung, die nicht ihrem Alter entspricht. Häufig gehen sie müde in die Schule oder wirken bedrückt und still. Unsicherheit, Überforderung, Scham und Angst vor Ausgrenzung lassen sie fast unsichtbar werden. Hinzu kommt, dass die Kinder von klein auf wissen, dass nichts nach außen gelangen darf. Sie schützen ihr Familiensystem und haben zudem die Last, es tragen zu müssen.

Kinder berichten selbst: „Wenn Mama trinkt, ist sie total komisch.“ „Abends trinken Mama und Papa Bier und schreien sich an.“ „Papa geht dauernd in den Keller. Das macht ihn froh.“

Diese Aussagen zeigen, wie sensibel und aufmerksam Kinder das Verhalten ihrer Eltern wahrnehmen – und wie stark sie unter der familiären Situation leiden, auch wenn sie nach außen unauffällig wirken. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte können die ersten sein, die Veränderungen bemerken.

Ziel der jährlichen COA-Aktionswoche ist es, über die Lebenssituation betroffener Kinder zu informieren und Fachkräfte im Bildungs- und Sozialbereich für ihre Bedürfnisse zu sensibilisieren.

„Um Angst, Scham und Stigmata abzubauen, müssen wir über Suchterkrankungen sprechen. Denn wer informiert ist, kann verstehen – und wer versteht, weiß, worauf die Person achten sollte. Lasst uns die Kinder aus dem Schatten holen!“, fordert Anna Tibert, Beraterin im Kinderschutz-Zentrum Bremen.

Das Kinderschutz-Zentrum Bremen mit aufsuchender Fachberatungsstelle ist eine Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind. Die Berater*innen unterstützen insbesondere bei Problemen mit körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt sowie bei Miterleben häuslicher Beziehungsgewalt und Vernachlässigung. Auch Angehörige und Fachkräfte erhalten Beratung. In der telefonischen Sprechzeit wird bei Bedarf an andere Beratungsstellen verwiesen, die z.B. spezielle fachliche Expertise bei Suchterkrankungen haben.

Der Kinderschutzbund Bremen bietet am 3. November 2026 eine Fortbildung an, die Teilnehmenden praxisnahe Strategien bietet, Anzeichen von Belastungen wahrzunehmen, betroffene Kinder frühzeitig zu unterstützen und ihnen Halt zu geben. Weitere Informationen und Anmeldung unter:

www.dksb-bremen.de/fachkraefte/fortbildungen